Die Augen des Verräters von Rodolfo Walsh

»Sie sind am Zug, Kommissar Laurenzi!«, sagte ich leicht ironisch.
»Ich kann nicht«, brummte er. »Welchen Zug ich auch mache, ich werde verlieren.«
Kommissar Laurenzi ist, wie man in der Schachwelt sagt, in Zugzwang geraten. Welchen Zug er auch macht, er wird verlieren. Dabei fällt ihm ein ungelöster Fall ein: Ein Mann spielt seit Monaten eine Briefschachpartie und ist in eine solche Schachfalle getappt. Die Partie entwickelt sich zur langsamen Kreuzigung, bis er schließlich eine ungeheuerliche Entdeckung macht: Sein Gegner auf der anderen Seite des Ozeans hat seine ums Leben gekommene Frau gekannt und ist mehr, als ihm lieb ist, in sein Leben verwickelt. Und so gerät er, auch jenseits des Schachbretts, in Zugzwang.
Liebe, Verrat, Rache – das sind die Zutaten von Rodolfo Walshs Kriminalerzählungen. Sie führen mal in die Spielercafés und Villenviertel von Buenos Aires, dann wieder ins dünn besiedelte, apathische Hinterland. Und einmal auch nach Bremen. Die Protagonisten haben aber alle etwas gemeinsam: Es gibt etwas Ungeheuerliches, das sie in ihrem Leben nicht mehr loslässt. Das gilt auch für den ermittelnden Kommissar selber: Seine arithmetischen Methoden führen zwar zu verblüffenden Ergebnissen, er muss aber erkennen, dass die Lösung eines Falls fatale Folgen haben würde. Oder er trifft eine falsche Entscheidung – und löst damit ein Verbrechen aus.
Nicht nur die unkonventionelle Suche nach dem Täter trägt hier zur Spannung bei, sondern auch das Aufdecken der Tragweite menschlichen Handelns. Mit Rodolfo Walsh dringt man in die tiefsten Abgründe des Menschlichen ein, in eine von Gewalt und Leidenschaft gezeichnete Welt, die nach der jeweiligen Aufklärung des »Falls« nicht ohne Weiteres wieder ins Lot kommt und in der sich die historischen Katastrophen des letzten Jahrhunderts abzeichnen. – Moderne Kriminalliteratur vom Feinsten!

Walsh, Rodolfo
Rotpunkt Verlag
ISBN/EAN: 9783858694249
19,50 € (inkl. MwSt.)