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Der Mann, der den Regen fotografierte

Roman

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783866382350
Sprache: Deutsch
Umfang: 395 S.
Format (T/L/B): 2.8 x 21.2 x 13.3 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Autor und Verlag bedanken sich bei der SIGMA (Deutschland) GmbH in Rödermark für die freundliche Beratung in fototechnischen Fragen während des Lektorates an diesem Roman. SIGMA Corporation wurde 1961 von Michihiro Yamaki in Tokio, Japan, gegründet, wo auch heute der Unternehmenssitz ist. Es stellt Kameras, Objektive und Zubehör her, das mit den führenden Kamerasystemen kompatibel ist. Seit 1979 ist das Unternehmen im Rahmen seiner globalen Präsenz mit einer eigenen Niederlassung auch in Deutschland vertreten, siehe www.sigma-foto.de

Autorenportrait

Peter H. Gogolin lebt als Schriftsteller in Wiesbaden, mit seinen bisherigen Roman- und Erzähl-Bänden war er im Verlag Kiepenheuer & Witsch sowie bei Kulturmaschinen vertreten. Er ist Mitglied des PEN-Club Deutschland und hat diverse Preise für sein literarisches Werk erhalten, so den Preis der Deutschen Akademie Rom, Villa Massimo. Mit dem Roman »Seelenlähmung« war er für den Aspekte-Literaturpreis vorgeschlagen. - Siehe auch www.peter-gogolin.de.

Leseprobe

Dienstag 10. April Einst hatte sich an diesem Ufer der mythische rote Delphin in einen Menschen verwandelt. Jetzt streiten sich Menschen und Geier um die Abfälle vor den Fischhallen. Über die Planken der portugiesischen Karavellen und Galeonen schritten nach Gold gierende Soldaten des Hauptmanns Francisco Caldeira de Castello Branco, die für ihren Capitán General die Hände der Tupinambá-Indiander abhackten, da sie sich mit Frankreichs schwächlichem König verbündet hatten. Zu Ehren Unserer Lieben Frau von Bethlehem, die auf den Wassern schwimmt, wurde am Ufer der Baía eine Festung erbaut. Psalmodierende Jesuiten, deren betende Hände niemanden schützen konnten, träumten von einer Kathedrale, die in den Himmel wächst. Jahr für Jahr legten in Portugal Schiffe ab, um die Verbrecher des Königreichs in die neue Welt zu verbannen. Ruinierte Adelige, die der König in Donatários verwandelt hatte, Glücksritter und Steuereintreiber kamen in diesem Hafen an, wo die Steuern für die Ladung der Schiffe nach dem Gewicht berechnet wurden. Doch nun, vierhundert Jahre danach, ist Belém vergessen. Von den kachelgeschmückten Häusern, in denen die Kautschukbarone eines untergegangenen 19. Jahrhunderts Champagner tranken und ihre in weiße Seide gehüllten Töchter verschacherten, stehen oft nur aussätzige Fassaden, aus deren leeren Fenstern verkrüppelte Bäume wachsen. Selbst das Teatro da Paz, älter als das in Manaus, hatte jahrelang außer den Ratten keine Besucher. Im Herzen der Stadt hat man ein rechteckiges Stück Urwald belassen und daraus ein Museum gemacht. Kranke, räudige Jaguare starren dort mit wundem Blick aus engen Käfigen ins grüne Gewirr der Sumauma Bäume, Palmen und Lianen. Ihre heimwehkranken Ohren lauschen auf den fernen Klang der Wälder jenseits des Flusses. Aber von dort dröhnt nur das gefräßige Rasen der Motorsägen herüber, während der Rio Guamá sein lehmbraunes Wasser gegen die Mauern der Kais schaufelt. Wim klopfte eine letzte Zigarette aus der zerknautschten Packung. Grün, rot und weiß gestrichen, glitt ein Amazonas-Schiff, vom Hafen kommend, die Baía nach Norden hinauf. Auf dem Oberdeck zeichnete sich eine menschliche Gestalt als Schattenriss vor dem sonnenüberfluteten Horizont ab und wurde dann im prallen Licht unsichtbar, als habe ein Gott oder ein anderer Taschenspieler sie verschwinden lassen. Er erwachte, als die Maschine mit dem Sinkflug begann. Dem weitgehend unverständlichen Portugiesisch des Piloten entnahm er, dass sie in zwanzig Minuten in Belém landen würden. Hendrik Cramer setzte sich auf, schloss den Sicherheitsgurt und schob die Sichtblende vor dem Seitenfenster nach oben. Sofort platzte ihm das strahlende Weiß der dicht gestaffelten Wolkentürme, durch die der Airbus sank, entgegen. Cramer erschrak, und für einen Augenblick fehlte ihm jegliche Orientierung. Was war das? Dann kehrte die Erinnerung Bild für Bild zurück. Der Kopf einer Frau. Er war ebenso weiß gewesen wie diese Wolken. Wer war sie? Cramer schloss die Augen. Ein Traum? Er war nicht sicher, denn es kam ihm wie eine gerade erst erlebte Szene vor. Der Kopf war ganz weiß, aber nicht wie diese Wolken, sondern eher wie Kalk oder eine dicke Schicht weißer Schminke, dachte er jetzt. Die Frau hatte vor ihm an einem Tisch gesessen, sich selbst konnte er nicht sehen, aber er griff, als sie sich heftig über etwas beklagte, um sie zu beruhigen, nach ihrem Arm. Er wollte ihr zu verstehen geben, dass es nicht so schlimm sei, nicht wichtig, sie solle sich nicht aufregen. Aber sie wich sofort zurück, hatte den Arm von ihm weggerissen, als habe er sie unsittlich berührt. In diesem Moment erst blickte er sie an und erschrak. Er hatte einen völlig weißen Schädel angestarrt, einen haarlosen weißen Kopf, dessen Gesicht wie unter einer zentimeterdick aufgetragenen Schicht aus weißer Farbe verborgen war. Lediglich die Augenbrauen konnte er darin ansatzweise erkennen. Woher wollte er dann wissen, dass es eine Frau gewesen war? Er wusste es nicht. Aber er wusste, dass

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